Bruno
Das ist mein geliebter American Staffordshire Terrier BRUNO, nunmehr 9,5 Jahre alt.
Ich holte ihn aus dem Wiener Tierschutzhaus als er 9 Wochen alt war und mit seinen 7 Geschwistern auf einen neuen Besitzer wartete. Er hat ein fröhliches Wesen und ist bis heute sehr verspielt, was sein wachsender Spielzeugberg bezeugt. In seiner Jugend nahm er an Agility Kursen teil und wurde schon damals von den jungen Hundedamen bewundert. Unglücklicherweise mögen ihn Rüden nicht besonders. Er liebt lange Spaziergänge in Niederösterreichs Wäldern und macht seit den letzten Jahren Urlaub in einer Almhütte bei Murau, Steiermark. Zu BRUNO´s großer Freude, kommt ihn dann ANKA, seine Urlaubsliebe, täglich besuchen.
Mein geliebter Schraubendampfer
Valentingstag 1996: Ein Amstaff statt Blumen!
Nachdem 3 Wochen zuvor meine engelsgleiche Rottihündin Shiva mit 12 Jahren gestorben war, hielt ich es doch nicht länger ohne Hundepartner aus und ich beschloss, mir einen beschlagnahmten Wurf von American Staffordshire Terrier-Welpen im Tierschutzhaus Brunn am Gebirge anzusehen.
Dass es beim Ansehen nicht bleiben würde, war klar...
Ein 12 Wochen junger Rüde, von mir spontan „Bruno“ getauft, suchte sich mich aus und ich machte ihn mir am 14.2.1996 zum Geschenk.
Der kleine Bruno ließ schon bei der Heimfahrt auf der Autorückbank zwischen seinen zwei Taufpatinnen (meinen Freundinnen) erkennen, dass er sehr lebhaft zu sein versprach. Im Rückspiegel sah ich, wie er an ihren Haaren und Ärmeln zupfte und wie ein Kobold herumturnte. In einer Reisetasche schwebte er dann nach einem kurzen Wiesenbesuch in sein neues Heim.
In meinem Vorzimmer steht ein großer Spiegeltürenschrank, in dem er freudig ein Geschwisterl zu erkennen glaubte. Nach mehreren vergeblichen Versuchen zur Spielaufforderung an den folgenden Tagen lernte Bruno, dass „der Andere“ irgendwie nicht echt war. Immer wieder saßen wir nebeneinander am Boden vor den Spiegeln, spielten und er bekam Leckerli. Ich weiß nicht mehr, wie lang es dauerte, aber mein kleiner Einstein hatte irgendwann das – wie ich es nenne – „Prinzip des Spiegels“ verstanden! Wir wohnen im letzten Stock mit kleiner Dachterrasse, die sich in besagtem Kasten spiegelt. Bruno liegt gern auf seinem Platz, betrachtet sich nachdenklich selbst oder beobachtet die Dachtauben. Aber die größte Intelligenzleistung ist, wie ich glaube, dass er mit mir über den Spiegel kommuniziert und reagiert, wenn ich stumm hinter ihm Zeichen gebe. Seine Keksitruhe steht vis-a-vis des Spiegelkastens und damit gleichzeitig direkt neben seinem Vorzimmerliegeplatz. Wenn ich nun etwas für ihn aus der Truhe nehme, dreht er nicht einfach den Kopf zu mir zur Seite, sondern beobachtet aufmerksam im Spiegel, was ich für ihn herauszaubere.
Bald stellte sich heraus, dass der Hundebub eine Vorliebe für Menschen hatte, die lärmende oder für ihn ungewöhnliche Tätigkeiten verrichteten. Kaum konnte ich meinen fröhlich springenden Kistenwurschtel beim Anblick der mit den Mistkübeln rumpelnden MA 48-Mitarbeiter bremsen. Als sie ihm auch noch mehrmals Bälle und einen „duftenden“ Arbeitshandschuh schenkten (zugegeben, diese Trophäe zupfte er sich beim Begrüßen selbst von der freundlich streichelnden Hand), war die Liebe zu ihnen endgültig besiegelt. Noch heute wedelt er schon im letzten Stock, wenn er das Kübelpoltern im Erdgeschoss hört.
Vom Welpenalter an schläft Bruno in meinem Bett. Anfangs als laut schnarchende Haube oben an meinen Kopf gedrückt bzw. quer über meinen Hals als Würgeschal. Später und jetzt Gott sei Dank neben mir.
Schon früh kristallisierte sich Brunos ganz besondere Ausstrahlung auf die Hundedamen heraus. Sie rissen sich förmlich um ihn. Dies hat sich bis heute nicht geändert, nur Länge und Intensität des Spiels sind naturgemäß dezimiert, immerhin ist er über 12,5 Jahre alt. Selbst Hündinnen, deren Besitzer mitleidig sagen: „Die ist schon alt und spielt nimmer“ revitalisiert mein Staffi meist nach wenigen Minuten. Je nach Temperament der Damen verwandelt er sich vom sanften rücksichtsvollen Spieler zum heißblütigen Casanova.
In besonderer Erinnerung geblieben ist mir seine Jugendfreundin Conny, eine zierliche Dalmatinerhündin. Von mir wurde sie nur die wilde Cornelia genannt. Die beiden hatten bei ihrem seltsamen Spiel immer etliche verdutzte Zuschauer und es lief wie folgt ab: Nach kurzem Anfangsbalgen zog Conny Bruno ein Vorderbein weg, schmiss ihn mit seiner Mithilfe um, packte ihn laut brummend mit den Zähnen an der Halshaut und drehte den ganzen Bruno 1 – 2 Mal im Kreis. Ein Bild für Götter! Die zarte Hündin und der muskulöse Rüde, der als lebender Kreisel auch noch selig zu grinsen schien. Am nächsten Tag hatte er von diesem wilden Treiben eine Reihe winziger Krusten am Hals von den spitzen Zähnen seiner wilden Cornelia.
Lange bevor der Donaukanal von der sog. Belebung heimgesucht wurde, wanderten wir auf diesem Weg in den Prater. Eine große Anziehungskraft übten Inlineskater und Skateboard-Fahrer auf ihn aus. Er wollte ihnen jedoch nicht nachhetzen, wie diese befürchteten, sondern unbedingt beim Anziehen- und Ausziehen der Skates dabei sein und die rollenden Schuhe untersuchen, auch die Skateboards entgingen seiner Inspektion nicht. So waren alle vergnügt und die Besitzer der Sportgeräte erleichtert!
Mit Brunos Vorgängern Shiva, der überaus sanften Rottweilerhündin bzw. Rudolf, dem schwarzen Terrackel, absolvierte ich etliche Unterordnungsprüfungen (BgH I,II, FH I,II) und ging mäßig erfolgreich auf Turniere. So wollte ich auch mit Bruno in dieser Richtung etwas unternehmen. Bald stellte sich heraus, dass er außergewöhnlich rasch lernte. Nur mit mir als Lehrerin beherrschte er in kurzer Zeit sämtliche Grundkommandos. Da er mit allen Hunden verträglich war und vor allem mit Spielen motivierbar, besuchte ich auf Anraten einiger Wohlmeinender eine Hundeschule in Wien. Dort schlurften im Anfängerkurs ca. 40 Teilnehmer im Schneckentempo über die Wiese und immer wieder versuchten u.a. 2 wahrscheinlich nur gelangweilte Jack Russel-Terrier Bruno herauszufordern. Bruno reagierte anfangs gar nicht und wir trachteten, möglichst entfernt von den Terriern zu üben. Ich machte auch die sichtlich überforderte Trainerin aufmerksam, die JR-Terrier-Besitzerin anzuweisen, doch ihre Hunde mit Leckerli oder Spielen abzulenken, da dieses Verhalten ja nicht nur mich in Zukunft behindern würde. Die Reaktion war ein Achselzucken bzw. eine Schuldzuweisung bezüglich der Rasse meines Hundes. Bei damals noch immer angewandter „nachdrücklicher“ Erziehung sah ich mit Entsetzen, wie dabei das Licht in Brunos fröhlichen braunen Murmelaugen zu erlöschen begann. Nach 3-maligem Kursbesuch verließen wir diese Schule, die ich von Shivas und Rudolfs Zeit her als äußerst positiv in Erinnerung hatte. Danach waren wir in Bad Vöslau, wo Bruno die BgH a absolvierte und mit großer Freude und Begeisterung einen Agility-Kurs. In rasendem Tempo durchsauste er den Parcours. Nachdem er mit Hilfe seiner stürmisch geliebten Trainerin Eva-Maria und mir am anderen Ende die Scheu vor dem Tunnel abgelegt hatte, wurde dieser sein Lieblingsgerät. Reifen und Hürden übersprang er selten aus dem Laufen, sondern in typischer Stafford-Art aus dem Stand. Nach einigen Durchgängen wurde er jedoch unkonzentriert und legte nur allzu gern eine schöpferische Pause mit seiner Jagdhund-Schulfreundin ein. Kurz und gut, das war also Brunos „Karriere“ als Sporthund. Dafür funktionierte ich unser langes Vorzimmer bei Schlechtwetter zum Agility-Parcours um mit Sesseln, Besenstangen, WC-Pumpen etc. Ein beliebtes Spiel ist bis heute das Spielzeugverstecken bzw. –suchen in der ganzen Wohnung. Ansonsten behielt ich weiterhin unseren Privatunterricht mittels positiver Bestärkung und zur Abwechslung auch erfolgreich mittels Clickertraining bei.
Im Frühling 2005 fiel mir auf, dass Bruno beim Bergabgehen immer stärker hinkte. Mit meiner Vemutung, dass es eine Knieverletzung sein könnte, lag ich leider richtig. Da ich Herrn Doz. Kopf von der Tierklinik Breitensee im Zuge meines Tierarztstudiums an der Veterinärmedizinischen Universität vom Chirurgie-Wahlfach in positivster Erinnerung hatte, ließ ich meinen Hundemann dort untersuchen. Ergebnis: fast vollständiger Kreuzbandeinriss links! Nach dem Durchbesprechen zweier operativer und einer nicht operativen Behandlung, entschieden wir uns für eine Umstellungsosteotomie. Eine beim Menschen häufig angewandte OP-Methode, beim Hund allerdings noch eher selten. Frau Dr. Rössel hatte sich speziell auf diese Methode in den USA ausbilden lassen und würde die Operation nach div. Voruntersuchungen durchführen. Das Kniegelenk selbst wird dabei samt seinen Bändern nicht angetastet, sondern es wird dem stark lädierten Kreuzband Gelegenheit und Zeit zur Heilung gegeben. Wegen der zu hohen Spannung des Kreuzbandes auf Grund der speziellen Kniegelenkswinkelung (außerdem springt Bruno auch noch leidenschaftlich gern) sollte also diese Winkelung abgeflacht werden, um die ständige Spannung zu verringern. Dazu musste ein Kreissegment aus dem Knochen der proximalen Tibia (knienaher Teil des Unterschenkels) herausgeschnitten werden. Zur Knochenfixierung diente eine Metallplatte und mehrere Schrauben. Diese wurden auch nicht mehr entfernt, da keinerlei Probleme aufgetreten sind. Mit einem Gittergips von der linken Hüfte bis zu den Zehenspitzen sollte ich Bruno zurückbekommen. Nachdem ich noch nie einen Hund mit Gipsbein gehabt hatte, wusste ich nicht genau, wie nun vorzugehen war. Schließlich musste ich Bruno ja irgendwie dazubringen, doch Vertrauen auf die Standfestigkeit des Gipsbeins zu gewinnen und es beim Humpeln zu belasten. Mit Hilfe einer befreundeten Tierärztin schafften wir es, nach dem 1. wahrlich alptraumhaften Tag – Bruno jammerte und musste sichtlich seine Geschäfte erledigen, war aber mit nichts zum Aufstehen zu bewegen – nach Anlegen eines Brustgeschirrs ihn in die Höhe zu hieven und ihn mehr tragend als gehend zum Aufzug zu bugsieren. Kaum waren wir in rasendem Tempo vor dem Haustor kam es zum erlösenden „Seeauslassen“. Passanten drehten die Köpfe, weil ich vor lauter Erleichterung laut Braavooo! gerufen habe, Bruno ist solche Anfeuerungen meinerseits gewöhnt. Danach war der Bann gebrochen und er rannte mit dem Gips in atemberaubenden Tempo herum und schleuderte dabei das Gipsbein mit einer schnellen Außenrotationsbewegung nach vorn. Ich konnte anfangs gar nicht zuschauen und sah und hörte im Geist immer knackende Knochen und brechende Schrauben. Erst nach mehrmaliger Versicherung von Frau Dr. Rössel, dass Bruno den Gips nur zu seinem Schutz hätte, er diesen aber zur Stabilisierung des Beines eigentlich nicht brauchen würde, hatte ich mich einigermaßen beruhigt. Zum Glück hat es während der „Gipszeit“ nur 2 Mal geregnet und ich gab Bruno als Nässeschutz ein blaues Tape auf den Fuß. Nach wenigen Humpelschritten auf der Straße jedoch schnappte sich Bruno mit einer akrobatischen Leistung den blauen Störfaktor, riss ihn runter, warf ihn hoch in die Luft, ich fing ihn reflexartig auf und mit schnellem Tapp – bumm, Tapp – bumm... gings auf die nächste Wiese. Beim Stiegensteigen unterstützte ich Bruno, indem ich ihn am Brustgeschirr etwas hochhob. Die Heilung verlief schließlich völlig problemlos und nach Gipsabnahme, die sogar einige Tage früher als geplant stattfinden konnte, sah man eine wunderschön verheilte saubere OP-Naht. Auch weitere Kontrollröntgen zeigten einen guten Heilungsverlauf. Noch etwas sei erwähnt: Da Bruno gewöhnt war, in meinem Bett zu schlafen, aber ich das wegen der Verletzungsgefahr mit dem Gipsbein auf keinen Fall wollte, besorgte ich mir mehrere Campingmatten, breitete Leintücher und Decken darüber und funktionierte dies zu unserem Doppelbett für die nächsten Wochen um. Für mich nach einigen Tagen Eingewöhnungszeit (ich liege schon gern hart, aber gleich soo hart!) eine durchaus akzeptable Liegestatt.
Trotz alptraumhaften ersten Tagen nach der OP, Verbrauch meines gesamten Urlaubs für die Genesung und großem finanziellen Aufwand kann ich noch immer sagen: Es hat sich ausgezahlt! Mein geliebter Schraubendampfer und ich fahren schon seit Jahren mehrere Wochen im Sommer auf eine gemietete Almhütte bei Murau mit ca. 2000 m2 eingezäuntem Garten und wandern pro Tag bis zu 4 Stunden. Dazwischen legt er fallweise einen Pausentag mit nur 2,5 Stunden pro Tag ein.
Eines schätze ich an meinem Staffi besonders: Er jagt nicht! Ich musste ihm nichts abtrainieren, er tut es einfach nicht. Selbst, wenn ein Reh unseren Weg kreuzt, schaut er nur hin, bleibt aber bei mir am Weg. Für mich anfangs ungewohnt, wenn ich vor allem an meinen Hund Rudolf denke.... Was er bei einem Almurlaub aber mit Freuden tat, war, in einem Tümpel hinter Fröschen herzuhüpfen, ohne sie zu jedoch zu berühren oder gar zu verletzen. Nur das Hüpfen der Frösche und sein ganz ähnliches gefiel ihm.
Eine weitere angenehme Eigenschaft ist, dass Bruno fast nie bellt. Er macht bei Begrüßungen nur eigenartige Geräusche vom Röhren bis zum Grunzen. Im Auto kann er vor Begeisterung und Ungeduld zirpen, gackern oder wie ein wildgewordenes Frühlingsvogerl zwitschern. Ich habe solche Lautäußerungen bei einem Hund noch nie gehört.
Obwohl es noch so viel über Bruno zu erzählen gäbe, beende ich den Bericht über meinen Gar-nicht-Kampfhund und sollte jemand u.a. Fragen wegen der Operation bzw. über den Umgang mit einem Hund danach haben, kann er mich gerne kontaktieren.
Gabriele Mirbach
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